Unterwegs mit meiner KNEO …

 … oder: die Arthrose kann mir mal!

Wer meine Blogbeiträge regelmässig liest, weiss, dass meine Kniearthrose mir zwar nicht mehr so viel zu schaffen macht wie zu meinen schweren Zeiten – dass sie mir aber nach wie vor Grenzen setzt, die ich bei zunehmender Kondition als nervig empfinde. Ein künstliches Kniegelenk kommt dennoch (noch) nicht in Frage: Die Dinger halten einfach nicht lange genug!

Es gilt also, sich mit der Arthrose so zu arrangieren, dass möglichst viel Bewegung möglich ist
(und eine starke Muskulatur hilft durchaus mit, das Knie stabiler und dadurch schmerzfreier zu halten), dass aber die schmerzbedingte Schonhaltung die linke Seite nicht nachhaltig schädigt. Mit guten Schuhen und Einlagen habe ich eine leichte Verbesserung erzielt, auch die Änderung der Lauftechnik vor 2 Jahren hat sehr viel verbessert – aber sobald ich etwas müder werde (bei Walks ab ca. 12 km) oder an Tagen, an denen ich lange stehen muss, trete ich nicht mehr bewusst genug auf, um die schlimmste Stelle zu entlasten. Das Resultat: Mein Hinken verstärkt sich, ich gehe schief und verkrampfe irgendwann auch links. Vor kurzem erhielt ich den Tipp, mal abzuklären, ob ich mit einer massgeschneiderten Einlage eine Verbesserung erzielen könne.

Auf der Suche nach Anbietern und dem richtigen Vorgehen stiess ich auf ein Videodas einen anderen Ansatz zeigt: Die KNEO (für Knie-Entlastungs-Orthese) korrigiert die Achse des Beines und leitet den Druck weg von der geschädigten Stelle, was eine spürbare Entlastung bringen soll. Ich wandte mich direkt an die Hersteller, um mehr darüber zu erfahren – insbesondere auch, wo die KNEO in der Schweiz erhältlich sei und was diese koste.

Ich erhielt sehr schnell eine Antwort mit Adressen in Baden und Zürich,
inklusive der Kontaktpersonen in den Praxen, die zur Anpassung der KNEO geschult seien. Kosten konnte man mir nicht nennen, das sei abhängig vom Sanitätshaus, aber ich erfuhr, dass die Schiene von der Krankenkasse bezahlt werde, sofern eine ärztliche Verordnung vorliege. Also nutze ich die gynäkologische Kontrolle bei meiner Hausärztin, um eine Überweisung an einen Orthopäden zu erbitten (ich bin im Hausarztmodell und kann deswegen keine direkten Termine vereinbaren). Sie kannte diese Orhtese nicht, machte sich aber schlau und entschied nach einem Blick auf meine letzten Röntgenbilder, dass wir uns den Umweg über eine Orthopädin schenken können:

„Meine“ Arthrose entspricht genau dem, was die KNEO beheben kann,
will heissen, sie ist einseitig auf eine eher kleine Stelle beschränkt, dort aber relativ weit fortgeschritten. Darüber hinaus hinter der Kniescheibe, was die popcornmaschinenartigen Geräusche erklärt, die ich bei Kniebeugen etc. von mir gebe, aber dagegen kann man nicht viel tun. Also hat sie mir die Verordnung gleich selber ausgestellt, und ich konnte damit bei BalgristTec einen Anpassungstermin vereinbaren.

Wobei: Viel anzupassen gibt es eigentlich nicht!
Die KNEO nutzt das Eigengewicht, um die Achsenverschiebung zu erreichen. Was zugeschnitten werden musste war die Einlagesohle – die sah aus wie Schugrösse 45 und musste auf meine 39 angepasst werden. Nun passt sie in meine Turnschuhe und ein paar Laufschuhe.Beim Kontrolltermin nächste Woche werde ich noch 2 weitere Schuhe mitnehmen, für die die Sohle einen Ticken zu breit ist – evtl. kann man das noch korrigieren, so dass ich mehr Auswahl habe. Unter normalen Hosen ist sie völlig unsichtbar, und selbst bei den Laufleggins muss man sehr gut hinsehen, um sie zu sehen.

Bein ohne Schiene

Bein mit Schiene

 

Natürliche habe ich die Schiene gleich anbehalten,
wobei ich ehrlich gesagt nicht sicher war, ob das Ding mir wirklich helfen kann. Denn eigentlich habe ich von der Schiene kaum etwas gespürt: Je nach Abrollbewegung ein leichtes Streicheln aussen am Bein – kein Vergleich zu den Schienen, die ich jeweils nach meinen OPs tragen musste. Aber die gingen ja auch über das Knie, mit Metallschienen links und rechts, und Gelenken, die so klobig waren, dass ich damit immer wieder gegen das andere Knie stiess.

Ich empfand das Gehen als angenehm, aber da ich gerade an diesem Tag auch keine Schmerzen beim Aufwachen hatte (das ist bei mir abhängig von den Aktivitäten des Vortages und der Tagesform), merkte ich eigentlich keinen Unterschied.

Also ging ich am nächsten Tag zum Härtetest über:
Knapp 10 km walken, auf verschiedensten Untergründen, eben, aufwärts und abwärts. Auch hier merkte ich zuerst nichts. Dann merkte ich, dass mich dieses NICHTS irritierte, denn so nach ein paar Kilometern hätte ich erste Schmerzen haben sollen.  Hatte ich aber nicht. Mehr noch: Mir fiel auf, wie entspannt meine linke Seite war – was mich etwas irritierte, da ich die Schiene ja rechts trage. Allerdings erkannte ich an meinem Schatten, dass ich extrem aufrecht unterwegs war und nicht schwankte wie Teleboy (wer die Zielvideos meiner Walks kennt, weiss genau, was ich meine). Offenbar bewirkte die Schiene, ohne irgendwie zu stören, dass die rechte Seite ihren Anteil an der Laufarbeit übernimmt – so dass die linke Seite nicht kompensieren muss. Gefiel mir! Fazit am Ende des Tages: Gutes Gefühl, keine Schmerzen, Lust auf mehr.

Am Abend im Bett dann das grosse Staunen:
Ich konnte in der Emryonalstellung liegen, ohne mir ein Kissen zwischen die Beine schieben zu müssen – das wäre sonst nach einem derartigen Walk unmöglich gewesen, weil das Knie extrem druckempfindlich gewesen wäre. Allerdings motzten ein paar Muskelgruppen in der Kniekehle und aussen am Fussgelenk, die offenbar etwas mehr als sonst hatten arbeiten müssen. Aber bis heute morgen hatten die sich wieder erholt. Also weiter im Test!

Bei einem Besuch auf der Jucker Farm wollte ich die Schiene im Stop-and-Go testen:
Messebesuche oder Ausstellungen, bei denen man viel steht und dazwischen nur wenig geht, sind für mein Knie Gift. Bei einem Stehapéro kann ich meine Stehhilfe mitnehmen, aber bei derartigen Anlässen kann ich das Ding ja schlecht mitschleppen. Also fuhr ich nach Aathal, spazierte nach Seegräben, wo ich mir ein feines Zmittag gönnte, und flanierte dann durch die Ausstellung. Irgendwie erschien sie mir dieses Jahr kleiner, so dass es gar nicht so sehr ein Stop-and-Go gab … Je nu, dann spazieren wir halt noch ein wenig! Erst ging ich dem See entlang Richtung Pfäffikon, aber weil ich so zügig unterwegs war, entschied ich mich, gleich bis Uster durchzugehen. Je länger ich unterwegs war, desto mehr staunte ich:

Die KNEO wirkt definitiv!
Nach knapp 15 km  und 51 registrierten Etagen (Fitbit lässt grüssen) kam ich ins Himmelreich, von wo ich den Bus zum Bahnhof nahm. Das Knie hätte wohl noch weiter gemocht – doch das Schienbeinkantensyndrom begann sich zu melden, was  mich zur Abkürzung bewog. Wie gut die Schiene wirkt, zeigte sich dann auch nach dem Sitzen im Zug: Ohne Anlaufschmerz konnte ich den Heimweg antreten, und die Treppe zur Schreib-Lounge nahm ich elegant, also ohne  jeweils das rechte Bein nach zu ziehen.

Nun freue ich mich darauf, am Slow-Food-Market  den Messetest zu machen – und auf weitere farbenfrohe Wanderungen. Fortsetzung folgt!

 

Disclaimer:

Die KNEO wurde mir von meiner Ärztin verordnet und von Spezialisten angepasst. Sie wird via Krankenkasse verrechnet, den Selbstbehalt werde ich bezahlen.  chw-technik.de hat mich weder gesponsert noch sonst wie zu diesem Beitrag beeinflusst.

 

2 Gedanken zu „Unterwegs mit meiner KNEO …

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