Bieler Lauftage – Erlebnislauf

Eigentlich war ja unsere gemeinsame Laufplanung auf den Sponsoringlauf am Grand-Prix Bern – #letsSWEAT4Kids angelegt … Aber nun ist Moesha auch auf den Laufgeschmack gekommen und wollte mal einen Nachtlauf erleben. Und da ich das auch noch nie gemacht hatte, landeten wir eben in Biel. Nicht für den 100er, aber immerhin für 11,2 km.

Der Entscheid zu dieser Aktion fiel völlig spontan, im Ausstellungsteil am GP – und ohne, dass wir die Details gelesen hätten. Auch bei der Anmeldung für die Bieler Lauftage, die ich pflichtbewusst sofort für uns beide erledigte, achtete ich noch nicht gross auf Kleinigkeiten wie Startzeit etc. Dafür war ja noch viel Zeit! Immerhin erkundigte ich mich rechtzeitig nach der optimalen Ausrüstung für Nachtläufe – in meiner Bubble gibt es ja einige, die regelmässig so Zeugs machen – und bestellte rechtzeitig zwei Brustlampen mit Rücklicht und Reflektoren.

Irgendwann las ich dann doch etwas mehr und realisierte, dass wir ja erst um 23 Uhr starten würden und damit, sofern es mir gelänge, meine Pace von knapp 10 Minuten durchzuziehen, kurz vor 2 Uhr im Ziel wären. Also ich. Die Kurze wahrscheinlich einigermassen früher, auch wenn sie das nicht abschätzen konnte, weil sie noch nie über diese Distanz unterwegs war. Auch da blieb ich noch locker. Das müsste reichen, um den Moonliner zu erwischen …

Als es dann aber an die Detailplanung ging, wurde ich eines anderen belehrt. Zwar sollte es um 01.10 und 01.40 noch einen Shuttlebus zum Bahnhof geben, aber ab da war Ende …  “Wir werden durchmachen müssen”, schrieb ich an Moesha, und sie antwortete lakonisch: “Isch doch ou guet!”

Ich allerdings fand das etwas weniger gut, als ich ein paar Stunden vor dem geplanten Start herausfand, dass a) der Wartesaal am Bahnhof Biel von 21.30 bis 7 Uhr geschlossen ist und b) die Temperaturen in der Nacht auf 14 und in den frühen Morgenstunden sogar auf 10 Grad sinken sollten. Also organisierte ich uns noch rasch ein Zimmer im Hotel Artus, in der Nähe des Bahnhofs. Ziel war damit natürlich immer noch, den Shuttlebus zu erreichen – sonst würden es nämlich noch einmal 4,5 km werden.

Wir beide arbeiteten am Freitag brav, Moesha düste noch kurz nach Hause, packte die Tasche und stieg dann bereits im Flughafen in den Zug. Ich ging nach der Arbeit erst mal Kohlenhydrate futtern und mich umziehen. Am und um den Bahnhof in Zürich hatte es sehr viele Menschen (in der Europaallee war auch noch Quartierfest), aber der Zug nach Biel nach 20 Uhr war nur schwach besetzt, so dass wir uns breit machen konnten.

In Biel sahen wir den Bus Nr.1 gerade kommen, wollten auch schon einsteigen, als wir merkten: falsche Richtung! Im zweiten Anlauf klappte es dann, und wir fuhren zum Stadion, wobei ich Moesha unterwegs ein paar Eckpunkte aus meiner Kindheit zeigen und damit verknüpfte Anekdoten erzählen konnte: Wir fuhren dort vorbei, wo früher das Haus von Gotti Marthi stand, der legendären Gotte meiner Mutter, die uns mit Nidletäfeli und mehrstündigen Menüs zu füttern verstand und es sich noch im hohen Alter nicht nehmen liess, hinter dem Garten über 80 Stangen für Bohnen zu stellen. Was zum genialsten Rezept aller Zeiten führte: Mengenangaben für Nidletäfeli, zum Kochen bringen, leise köcheln lassen, bis du die 80 Stangen gestellt hast …

Statt Nidletäfeli gab’s bei uns bei Ankunft im Stadion Energieriegel – allerdings erst, nachdem wir uns in der Garderobe mit den Lampen verkabelt und anschliessend das Gepäck abgegeben hatten. Wir genossen die Stimmung beim Start zum Halbmarathon und dem Paarlauf und machten uns dann bereit für unseren eigenen Einsatz. Moesha würde in ihrem Tempo durchziehen und dann im Ziel auf mich warten – ich bräuchte mich nicht zu beeilen.

Auf unserer Strecke starteten etwas über 120 Läuferinnen und Läufer, die meisten in der Kategorie Rennen, wir beide waren für Walking eingetragen, auch wenn Moesha wohl den grösseren Teil joggen würde. Die Stimmung war grossartig – nicht nur am Start. Hier ein kurzer Beschrieb der Strecke:

Nach dem Start auf dem Boulevard «Stadien Süd» verläuft die abwechslungsreiche Strecke via Längfeldweg, Mühlestrasse durch den Park «Schüssinsel». Vorbei am imposanten Swatchgebäude geht’s weiter der Schüss entlang bis zum Oberen Quai. Jetzt ist die Bieler Innenstadt bereits in Sichtweite. Der Zentralplatz wird zweimal angelaufen bevor via Bahnhofstrasse, Guisanplatz und Güterstrasse das Kongresshaus erreicht wird. Hier verlässt die Erlebnislaufstrecke die 100 Kilometerstrecke. Über eine Wendeschlaufe führt die Strecke auf dem gleichen Weg zurück durch die Innenstadt, erneut vorbei an den zahlreichen Zuschauern und entgegenlaufenden LäuferInnen, welche noch einmal einen Motivationsschub verleihen. Nach weiteren zwei Passagen über den Zentralplatz geht’s zurück zur Tissot-Arena, wo nach 11 Kilometern der Zielbogen wartet.”

Ich musste schmunzeln, als ich das las. Mein Vater, der in Biel aufgewachsen war, pflege zu sagen, dass er auf einem Scheisshafen die Schüss runtergekommen sei … In den letzten Jahren war ich nicht mehr sehr oft in Biel, da war einiges neu gebaut worden – auch das oben angesprochene Swatchgebäude. Der Uferweg gefiel mir, und die zahlreichen anfeuernden Zuschauerinnen und Zuschauer beflügelten mich, je näher wir dem Stadtzentrum kamen. Wobei ich, wenn ich “wir” schreibe, vor allem das Besenvelo und mich meine, die anderen waren irgendwo weiter vorne … Wie schnell ich wohl unterwegs war? Es gab keine Kilometertafeln, so dass ich keine Ahnung hatte, wie weit ich schon gekommen war, und Kirchenglocken hörte ich auch keine. Kurz vor dem Central kreuzte mich Moesha – und im Gegensatz zu Bern habe ich sie diesmal gesehen und gehört, also wusste ich, dass ich wohl bald in der Mitte ankäme …

Knie und Füsse machten super mit, aber das Beste: Obschon meine Nase ohne Ende lief, konnte ich wunderbar atmen! Um diese Zeit sind die Ozonwerte tief, und Pollen fliegen auch kaum mehr. Nachtläufe sind super! Also noch am Kongresshausvorbei, rund um einen Park und ab auf den Rückweg. Auf Höhe Smartgebäude konnte ich es nicht lassen, kurz ein Livevideo auf Facebook zu stellen. Meine Fitnessapp zeigte 1 h 23 Minuten – und da ich die App einige Minuten vor dem Start aktiviert hatte, wusste ich, dass ich gut in der Zeit lag. Wie gut, war mir allerdings nicht bewusst. Entsprechend gross war meine Überraschung, als ich ins Ziel kam – was der Fotograf von Alphafoto wunderbar eingefangen hat.

Moesha, frisch und munter und nach wie vor voller Energie, erwartete mich im Ziel. Und auch ihr Zieleinlauf muss spektakulär gewesen sein: Sie schlug ein Rad:

So kam es, dass wir, ohne Stress, den Shuttle um 01.10 Uhr erreichten. Und es dann doch irgendwie schafften, uns auf den knapp 400 Metern zum Hotel zu verlaufen, weil Lovey wieder mal nicht Karten lesen konnte. Immerhin konnte ich so Moesha zeigen, wo Onkel Jörg jahrelang gewohnt hatte … Das Hotel hatte unseren Zimmerschlüssel wie versprochen im Safe deponiert, wir fanden die 16 auch relativ schnell – und mussten feststellen, dass wir ein Einzelzimmer erhalten hatten. Zwar mir Kingsize-Bett, aber ein Kissen, eine Decke. Je nu: Moesha kann gut ohne Kissen, ich friere nicht sehr leicht – Hauptsache Bett und geborgen.

Nur ruhig war es nicht wirklich, obschon das Hotel an einer Seitenstrasse liegt: Erst nervten Auto- und Motorradfahrer, die sich offenbar gegenseitig zu beeindrucken versuchten, und, kaum eingeschlafen, gaben sich erst die Krähen und dann die Frösche ein Stelldichein. Je nu, gemäss App habe ich 3 Stunden und 18 Minuten geschlafen – das musste reichen. Nach einem feinen Zmorge traten wir die Heimreise an. Wonach Moesha ohne grossen Umweg in die Badi ging – und ich, nach einem kurzen Umweg, um den Schoggibrunnen zurückzuholen, den ich am Sonntag brauchen würde, zum Mittagsschlaf. Die vierzig Jahre Unterschied machen sich halt doch irgendwie bemerkbar …

Ach ja: Moesha hat jetzt ein neues Ziel. Sie will einmal den 100-km-Lauf machen. Da werde ich definitiv passen! Aber ich schaue mich mal um … Vielleicht können wir im Herbst ja mal über 15 km oder so starten. Und dann bringe ich den Pace vielleicht sogar unter 9 …

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