Schafsglacé mit Rosen und pikante Schoggispaghetti

Mit Jris zusammen habe ich den zweiten Slowfood Market in Zürich besucht  – die „Messe des guten Geschmacks“. Dieses Jahr haben wir dafür sogar Gratis-Tickets von Coop erhalten, dem Presenting Partner der Messe. Gilbert Montavon, ein ehemaliger Arbeitskollege und langjähriger Freund, betreut für Coop diese Messe und wusste, dass meine Tochter als ausgebildete Köchin und ich als anerkanntes Schleckmaul und professionell Neugierige uns hier wohl fühlen würden.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo wir die Messe am Sonntag besuchten, hatte es weniger Leute, und die Stände wurden leicht anders gestellt, so dass man mehr Platz zum Zirkulieren hatte. Vor allem aber konnte man diesmal auch wirklich vor den Ständen stehen bleiben und sich mit den Menschen dahinter unterhalten. Einer der grossen Vorteile der Slow Food Bewegung ist ja, dass man hier kaum mit Zwischenhändlern zu tun hat, sondern mit denjenigen, welche die Produkte entwickeln bzw. herstellen und verarbeiten – und das meist mit viel Herzblut. Das merkt man, wenn man sich mit den Leuten unterhält – und man schmeckt es, wenn man deren Produkte testet.

Zum Beispiel Herr Kress von der der Honig Eis Manufaktur: 

Er stellt Eis aus Schafsmilch her: Cremig, nur schwach süss – aber extrem geschmackvoll. Und in Sorten, die man so kaum zu sehen kriegt: Mit Honig oder Rosen, als Sorbet mit Quitten, Schlehen oder Sanddorn … Die Wahl fällt schwer, obschon er nicht alle Aromen serviert, die auf seiner Webseite vorgestellt werden. Der gelernte Koch und Metzgermeister war im Nebenberuf Imker und stellte bei seinen Marktfahrten fest, dass entweder kein Eis – oder keines nach seinem Geschmack – erhältlich war. Also begann er, sein eigenes zu kreieren. Nicht alle Mischungen gelangen  – aber die 11 Sorten, die jetzt angeboten werden, sind immer schnell ausverkauft. Ich probiere als erstes das Grundeis mit Honig und bin begeistert: Sehr cremige, angenehme Textur, weicher Honiggeschmack, nicht zu süss, aber blumig. Köstlich! Also kaufe ich eine Kugel mit Rosenaroma. Der Rosengeschmack entfaltet sich nur langsam, aber sehr angenehm – nicht seifig, was bei Rose oder Lavendel in der Küche ja oft passiert. In der Schweiz ist das Eis, so weit ich herausgefunden habe, ausser an speziellen Messen noch nicht erhältlich, die Familie Kress wäre aber an Vertriebspartnern interessiert und vermietet ihre Eistheke auch für Veranstaltungen. Mir machte es extrem Spass, Herrn Kress hinter dem Stand zuzusehen, wie er den Leuten sein Eis erklärt: Der Mann brennt für Eis!

Am Stand von Thomas Wiederhold kosten wir leckere Tirolerspezialitäten:

Sein Kaiserschinken – natur, mit Alpkräutern oder einer Karibikwürzung – ist wunderbar würzig und sehr mager. Sein Käse wird auf einer Steinplatte gelagert und, wenn ich das richtig verstanden habe, mit den Mineralien des Steines eingerieben, die dunkle Rinde darf deshalb gerne mitgegessen werden. Weitere Wurstwaren und leckere Früchtebrote runden das Angebot ab. Die Webseite ist leider erst im Aufbau, ich hätte hier gerne etwas bestellt (auf der Messe ist mir das Bargeld ausgegangen, und in Halle 9 gibt es keinen Bancomaten).

Der Stand von Vita-Naturalis überzeugt mit glutenfreien Produkten:

Pfiffikus ist eine sehr schmackhafte und vielseitig einsetzbare Streuwürze und Gemüsebouillon, die vielen Allergiker das Leben leichter machen dürfte: Sie ist glutenfrei, cholesterinfrei, ohne Glutamat, laktosefrei, ohne Zucker, ohne Hefeextrakt, ohne Milcheiweiss und ohne Geschmacksverstärker – dafür mit feinen Zutaten aus mehrheitlich biologischem Anbau. Weitere Produkte sind Bratlinge (2 davon glutenfrei) und diverse Sossen.

Bei Ruth’s Delikatessen  probieren wir wunderbare Konfitüren und Gelées.

Jris verliebt sich in Maroni mit Kirsch – und beschliesst spontan, am Abend damit Crèpes zu machen. Ich fühle mich nachträglich bestätigt – denn als ich vor Jahren eine Birnenkonfi mit Whisky erfand, wurde ich belächelt. Hier gibt’s Brinen mit Cognac – und die Konfi schmeckt sehr lecker! Bei Ruth gibt’s aber auch getrocknete  oder eingelegte Früchte oder Gemüsesorten, Sirup, Chutnyes, Sossen und vieles mehr.  Leider findet man auf der Webseite kaum Fotos der Produkte – die farbenfrohen, liebevoll  beschrifteten Gläser und Flaschen kamen am Stand bestens zur Geltung.

Die wohl schrägsten Kombinationen entdeckten wir bei Les Délices de Barbara: 

Sie verkauft Teigwaren aus Eigenproduktion – hergestellt aus Kamut, Urdinkel oder Hartweizen, Couscous, Olivenöle und Natursalze sowie die würzige Belperknolle – eine Käsespezialität aus meiner alten Heimat, die man hier sonst selten sieht und allenfalls bei Globus delicatessa findet. Kamut-Produkte findet man bei uns auch eher selten: Der Urweizen wäre für mich aber ideal, weil er rund 40% mehr Eiweiss enthält als handelsüblicher Weizen, sowie wertvolle Mineralstoffe. Barbara acht daraus Nudeln oder Spiralen, verkauft aber auch das Mehl, falls man selber backen oder teigen möchte … Die Vielfalt an Urdinkel-Pasta ist noch grösser: Es gibt solche mit Curry, Basilikum, Peperoni, Salbei – und eine Rosensymphonie. Das passende Rezept liefert sie auf ihrer Webseite gleich dazu: Pasta al dehnte kochen und mit einer Sautern-Rahmsauce zu Lamm, Fisch, Flusskrebsen oder Meeresfrüchten servieren.  Wird definitiv demnächst ausprobiert!

Vorher aber noch gibt’s diese hier: die Sinfonia Furiosa, bestehend aus Hartweiszen, Kakao, Perpeoncini und Ingwer! Auch hier gibt’s ein Rezept dazu auf der Webseite – 3 oder 4 weitere gab’s am Stand locker dazu. Die Sinfonia soll aber auch nur mit etwas Käse oder einem Kürbissugo und Salat zusammen eine perfekte Mahlzeit ergeben.

Wer spezielle Salze mag, wird bei Barbara ebenfalls fündig: Fleur de Sel mit Vanille, mit Peperoncini, mit Rosen- oder Muskatblüten, mit Rosmarin oder Safran  – oder handgeschöpft mit Balsamico. Die Produkte  und schöne Geschenksets lassen sich online bestellen – ein Gespräch samt Rezepten gibt’s an den Märkten.

Natürlich ist dies nur ein sehr subjektiver und keines Falles vollständiger Zusammenzug der Höhepunkte dieser Messe. Wir haben noch viel mehr probiert und einiges Leckeres eingekauft. Aber vielleicht macht es ja den einen oder die andere gluschtig, wieder mal etwas Neues auszuprobieren, sich Zeit zu nehmen und frische, ehrliche und unverfälschte Produkte zu probieren. Das geht ja nicht nur auf dieser Messe – wer die Augen öffnet, findet immer wieder solche Perlen. Ich jedenfalls werde in den nächsten Tagen viele neue Rezepte probieren …

5 Gedanken zu „Schafsglacé mit Rosen und pikante Schoggispaghetti

  1. Erfahrenen Köche wissen ja, dass ein grosser Teil der Zutaten in Teigwaren beim Kochen im Salzwasser ausgewaschen und weggeschüttet werden. Eine frisch zubereitete Sauce macht da mehr Sinn und auch mehr Freude. Aber ein Gag ist es allemal, all die möglichen Farben und Düfte zu seheh. Nur eben, am Ende steht ja die Erhlichkeit und die unverfälschten Produkte im Fokus!

    1. Ich werde mehr wissen, wenn ich die Sachen probiert habe … Für mich ist das nicht nur ein Gag, denn Auge und Nase essen ja bekanntlich mit. Was mir an eurem Shop gefällt: Dass ihr mit frischen Eiern aus der Schweiz arbeitet. Aber Urdinkel und so habe ich jetzt auf den ersten Blick nicht gefunden.

  2. Erfahrenen Köche wissen ja, dass ein grosser Teil der Zutaten in Teigwaren beim Kochen im Salzwasser ausgewaschen und weggeschüttet werden. Eine frisch zubereitete Sauce macht da mehr Sinn und auch mehr Freude. Aber ein Gag ist es allemal, all die möglichen Farben und Düfte zu seheh. Nur eben, am Ende steht ja die Erhlichkeit und die unverfälschten Produkte im Fokus!

    1. Ich werde mehr wissen, wenn ich die Sachen probiert habe … Für mich ist das nicht nur ein Gag, denn Auge und Nase essen ja bekanntlich mit. Was mir an eurem Shop gefällt: Dass ihr mit frischen Eiern aus der Schweiz arbeitet. Aber Urdinkel und so habe ich jetzt auf den ersten Blick nicht gefunden.

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