Walking – aber richtig

Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich damit angefangen, wenn immer möglich täglich spazieren zu gehen. Mit der Zeit – und mit schwindendem Gewicht – wurden diese Spaziergänge länger, ich baute mehr Höhenunterschiede und wurde etwas schneller. Je nach Tagesform (Wetterwechsel, Heuschnupfen) machte mein Knie mal besser, mal schlechter mit, so dass ich mich jeweils anpasste. Die Anmeldung zum Frauenlauf erfolgte aus diesem Enthusiasmus heraus, und ich freute mich wirklich sehr, dass ich nach 10 Jahren Pause wieder an diesem stimmungsvollen Event teilnehmen – und mir eine gute Chance zur erfolgreichen Abwicklung ausrechnen – konnte.

Dass Franziska und ich dann den AltstadtGP dazwischen schoben, war eher Zufall: Die KollegInnen von #rlag wollten auch für den kleinen Lauf ein Team zusammenstellen, und das waren ja „nur“ 4.7 km (dass da der Aargauerstalden mit drin war, las ich ja erst nach der Anmeldung). Dass wir uns dann einen dritten Lauf aussuchten, daran ist die Post schuld: Die haben so eine Sammelkarte, und bei 3 Punkten kann man einen Sofortpreis abholen. 2 hatten wir nun schon … Also suchten wir nach einem dritten Lauf: eher flach, schöne Gegend, zeitlich passend. Und landeten beim Greifenseelauf. Und da wurde als Spass irgendwie ernst: Franziska schlug vor, wir sollten uns an die längere Runde wagen. Will heissen: 10 km. Wir haben beide gemerkt, dass Atmung und Ausdauer sehr gut war (selbst bei Ozonalarm), dass ich den ganzen Lauf durch (ausser bei Steigungen) sehr gleichmässig das Tempo hielt, auch bis zum Schluss, und dass ich eigentlich von daher noch weiter gehen könnte. Also meldeten wir uns für 10 km an – ist ja erst im September, da haben wir noch etwas Zeit.

Und ich beschloss, diese Zeit zu nutzen! Angeregt durch Gespräche mit erfahreneren Läuferinnen, durch Input meiner Ernährungsberaterin und durch ein Gespräch am Helsanastand am Fraunelauf erkundigte ich mich im Kundenforum nach Tipps zu Walken mit Arthrose – und plante gleichzeitig einen Termin bei RyffelRunning in Glattbrugg, zur Laufschuhberatung. Zwar hatte ich mir extra für den Fraunelauf neue – und teure – Joya-Schuhe gekauft, aber auch wenn ich eine Verbesserung spürte, schmerzte mein Knie auf dem letzten Kilometer stark, und auf dem Finisherclip sieht man gut, dass ich wieder hinke.

Olaf von RyffelRunning im Glatt nahm sich viel Zeit für mich. Die Füsse wurden fotografiert und gefilmt, und es zeigte sich, dass ich sowohl Senk- als auch Spreizfüsse haben, wobei der rechte (der mit dem lädierten Knie) erwartungsgemäss  stärker beeinträchtigt war. Gelobt wurde mein Walk an sich: Abrollen etc. war sehr gut. Bevor Olaf mir neue Schuhe empfahl, zeigte er mir etliche Übungen, mit denen ich das Fussgewölbe und die Fussgelenke trainieren kann, er empfahl mir auch zusätzliches Training für die Adduktoren, da insbesondere das rechte Knie eine Tendenz zum Wegkippen hat. Vom Tragen einer Schiene, (wie ich das zu meinen ganz schweren Zeiten zu tun pflegte) riet er ab – das würde die Muskeln eher noch träger machen. Die Joya-Schuhe fand er nicht per se schlecht: Er riet mir, diese an Tagen zu tragen, an denen ich viel stehen müsse, da diese ein aktives (und damit Knie schonenderes) Stehen ermöglichen. Zum Walken seien sie aber tatsächlich weniger geeignet. Er brachte mir  2 Paar Walkingschuhe zum Ausprobieren, welche an der Innenseite stärker stützen und so das Wegkippen verhindern oder mildern. Ich konnte darin auch meine gewohnten Einlagen tragen. Beim Ausprobieren spürte ich den Unterschied sofort: Die Schuhe waren sehr leicht, federten gut – und ich musste mich beim Walken weniger konzentrieren als bei den Joya. Noch besser war aber das zweite Modell: Noch leichter – und extrem angenehm zu tragen, fast, als ob man keine Schuhe tragen würde. und dennoch so gestützt, dass der Fuss nicht einknickte.  Zur Sicherheit machten wir noch einen direkten Vergleich: Schuh 1 links, Schuh 2 rechts   – aber schon nach wenigen Schritten war mir klar: Schuh 2 ist mein Schuh! Olaf bestätigte meine Wahrnehmung – in Schuh 2 bewegte ich mich stabiler, gerader, flüssiger. Dass Schuh 2 einiges billiger war als 1 schien ihn nicht zu stören: Ihm lag wirklich daran, mir den für mich besten Schuh zu verkaufen. Tolle Haltung!

Kaum zurück von der Beratung hatte ich von Thomas Mullis aus dem Helsana-Forum eine Antwort auf meine Frage: Auch er riet zu zusätzlichen Übungen und gab mir auch Tipps zu möglichen Hilfsmitteln. Lustigerweise überschnitten die sich auch mit Infos, die ich via Facebook erhalten hatte – auf Anraten eines Kollegen hatte ich mir bereits die kybun-Matte gekauft. Die liegt jetzt vor meiner Bar, und ich nutze sie, um stehend Korrektur zu lesen und um zwischendurch Fussübungen zu machen.

Natürlich probierte ich die neuen Schuhe auch gleich aus – auf einem knapp 6 km langen freien Walk, entlang des Rheins. Ich probierte auch Thomas‘ Lauftechnik der kurzen Schritte, da werde ich mich aber umgewöhnen müssen! Dennoch: 4 Tage nach dem letzten Lauf schaffte ich die Strecke ohne Schmerztablette. Das Knie begann zwar gegen Ende zu motzen, aber es regenerierte sich recht schnell wieder. Der Weg scheint richtig zu sein …

Also haben Franziska und ich entschieden, aus Spass ernst zu machen: Wir haben uns im August für den 8-km-Lauf in Rothenburg angemeldet, so als Zwischenschritt. Und für Oktober für den Hallwilerseelauf, mit 11 km. Ich time meine Läufe jetzt mit der Helsana-Trail-App, wobei ich mich zuerst auf die neue Technik (kurze Schritte/ höhere Schrittfrequenz) konzentriere – die Geschwindigkeit ist für mich (und zum Glück auf für Franziska) im Moment sekundär. Ziel soll sein, die gesamte Strecke möglichst sauber laufen zu können. Völlig schmerzfrei ist wohl unrealistisch, aber das Ziel soll sein, dass sich das Knie jeweils innerhalb eines Tages so regeneriert, dass ich keine Tabletten nehmen muss (dass also einfach die leichten Anlaufschmerzen bemerkbar sind, aber keine richtige Entzündung ausgelöst wird).

Bin gespannt, wohin uns dieser Weg führt

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Zur Info:

Alle genannten Marken oder Läufe nenne ich aus eigenem Impuls und aus meiner Begeisterung heraus. Ich werde von denen nicht gesponsert oder in irgend einer Weise begünstigt.

 

 

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